Alternative Ideen für deinen Black Friday

Just Friday Header

Rabattschlachten, klingelnde Kassen und Schnäppchenjäger:innen, die sich vor allem online auf stark reduzierte Artikel stürzen: Black Friday ist das wohl verrückteste Shopping-Spektakel des Jahres und sorgt bei Konsument:innen und Unternehmen für gute Laune. Aber auch ein Gegentrend zeichnet sich ab. Immer mehr Verbraucher:innen möchten ihren Konsum aus Gründen der Nachhaltigkeit ändern. Und auch viele Unternehmen beginnen umzudenken. Wir zeigen dir Ideen, wie du Black Friday sinnvoll nutzen und mit einem guten Zweck verbinden kannst!

Julia

02.11.2021

Inspiration

Kritik am Black Friday

Tatsache ist, dass der Black Friday ein erhöhtes Versand- und Retourenvolumen nach sich zieht – was wiederum mit einem erhöhten CO2-Fußabdruck verbunden ist. Zusätzlich kauft man aufgrund der Rabatte häufig mehr, als man eigentlich benötigt. Black Friday ist quasi zum Sinnbild für übermäßigen Konsum geworden. Bei nachhaltigen Unternehmen passt Black Friday deshalb in seiner klassischen Form generell schlecht ins Konzept. Um ein Zeichen für die Umwelt und gegen Over-Consumption zu setzen, erfreuen sich alternative Aktionen zu Black Friday immer größerer Beliebtheit. Neben dem sog. “Green Friday” oder dem “Kauf-Nix-Tag” gibt es viele weitere kreative Möglichkeiten, die wir dir im Folgenden vorstellen.

Offizielle Black Friday Alternativen

Green Friday

Hinter dem sog. “Grünen Freitag” steckt ein alternatives Shopping-Event, welches das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus rücken und als Gegenmodell für den Black Friday gelten soll. Es geht hier nicht darum, auf Konsum zu verzichten, sondern mit dem Konsum gleichzeitig etwas Positives zu bewirken. Einen ähnlichen Ansatz verfolgen auch der White Monday oder der Giving Tuesday. Das Ziel: Etwas Gutes für die Natur tun. Wie genau das aussieht, ist jedem Unternehmen selbst überlassen. Einige pflanzen Bäume für den CO2-Ausgleich, andere wiederum spenden den Gewinn für soziale Zwecke oder gemeinnützige Umweltorganisationen. Der Green Friday soll den Blick auf nachhaltigeren Konsum lenken. Es ist deshalb wenig überraschend, dass überwiegend Unternehmen teilnehmen, die auch sonst nachhaltig(er) ausgerichtet sind und sich für die Umwelt oder soziale Zwecke engagieren. In diesem Jahr findet der Green Friday am selben Tag wie auch der Black Friday statt – sprich am Freitag, den 26. November 2021.

Beispiele für Green Friday-Aktionen:

  • Patagonia: Der Anbieter von Outdoorbekleidung hat seine Einnahmen am Black Friday für wohltätige Organisationen gespendet. Insgesamt sind über 10 Mio. US-Dollar zusammengekommen.
  • Deuter: Der Spezialist für Outdoorbekleidung hat über drei Tage ein wohltätiges Projekt unterstützt, mit 10% seines Umsatzes an Black Friday.
  • Globetrotter: Während der “Grünen Woche” konnten Kund:innen gebrauchte Ausrüstung in die Filiale bringen und erhielten dafür einen Gutschein. 10 % des Umsatzes ging als Spende an einen deutschen Verband.

Wie nachhaltig der “Green Friday” tatsächlich ist, kann diskutiert werden. Immerhin sollen die Aktivitäten zum Kauf animieren, auch wenn dieser durch eine “gute Tat” kompensiert wird. Vor dem Kauf sollte man sich also die Frage stellen, ob man das Produkt wirklich braucht.

Kauf-Nix-Tag

Eine radikalere Alternative als der Green Friday ist der sog. “Kauf-Nix-Tag”. Dieser findet am Samstag, den 27.11.2021 statt. Um ein Zeichen gegen den massiven Konsum an Black Friday zu setzen, kam der Aktivist und Künstler Ted Dave im Jahr 1992 auf die Idee, den „Buy Nothing Day“ ins Leben zu rufen. Auch in Deutschland gibt es die Aktion inzwischen und die Initiatoren rufen dazu auf, 24 Stunden auf Konsum zu verzichten. Dies soll Konsument:innen dazu anregen, Konsummuster zu hinterfragen und bewusstere Kaufentscheidungen zu treffen. Hinter der Idee des „Kauf-Nix-Tag“ verbirgt sich aber auch ein gesellschaftspolitischer Aspekt: Er soll ein Zeichen gegen umweltschädliche und  unmenschliche Produktionsbedingungen setzen und auf den negativen Einfluss unserer Konsumgesellschaft aufmerksam machen.

Weitere Ideen, um gegen den Strom zu schwimmen

Black Friday passt nicht zu deiner Brand oder du möchtest dich einfach nicht an der Rabatt-Schlacht beteiligen? Kein Problem! Neben den offiziellen Gegenbewegungen gibt es viele weitere Möglichkeiten und Alternativen. Mach einfach dein eigenes Ding und sei unique. Wir stellen dir Spendenaktionen, nachhaltiges Bäume-Pflanzen, kreative Ansätze wie einen sog. “Opt Out”, Produktreparaturen, Slow Discounts und Buy Back Kampagnen im Folgenden genauer vor!

1. Spendenaktion an Black Friday

Immer mehr Unternehmen nutzen Black Friday, um einen Beitrag für den guten Zweck zu leisten, z.B. in Form einer Spende an wohltätige Organisationen oder gemeinnützige Projekte. Dabei kann entweder der komplette Gewinn, der an Black Friday generiert wird, gespendet werden oder nur ein Teil davon. 

Ein gutes Beispiel ist der Hersteller von Ausrüstung und Outdoorkleidung Patagonia. Das Unternehmen ist Vorreiter, wenn es um Nachhaltigkeit geht und bekannt für seine alternativen Black Friday-Kampagnen. Bereits 2011 hat Patagonia mit der Kampagne “Don’t Buy This Jacket“ auf die Themen Konsum, Umweltschutz und Nachhaltigkeit aufmerksam gemacht und mit der marketingwirksamen Kampagne versucht, das Bewusstsein für nachhaltigeren Konsum zu schärfen. Seitdem verfolgt das Unternehmen jedes Jahr zu Black Friday alternative Ansätze. 2016 etwa versprach Patagonia, alle Black Friday-Verkäufe an wohltätige Organisationen in lokalen Gemeinden zu spenden. 2019 hat Patagonia den Black Friday Umsatz an onepercentfortheplanet.org gespendet. Das Unternehmen rechnete mit einem Umsatz von 2 Mio. US-Dollar, hat diese Erwartung aber um das Fünffache übertroffen und eine Summe von 10 Mio. US-Dollar erzielt. Die große Resonanz zeigt, wie gut Aktionen dieser Art bei Konsument:innen ankommen. Kein Wunder: Der Kauf in Verbindung mit dem Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, ist gleich doppelt positiv. Möchte man die Aktion optimal ausnutzen und für Branding-Zwecke nutzen, sollte man diese auf jeden Fall über Newsletter, Social Media und Co. kommunizieren.

Auch die Fashion-Brand Everlane fällt mit außergewöhnlichen Black Friday Aktionen auf. 2011 und 2012 hat das Unternehmen am Black Friday bewusst den Shop geschlossen, um einen nachhaltigeren Konsum zu fördern. 2013 dann hat Everlane den sog. “Black Friday Fund” ins Leben gerufen und unterstützt seitdem mit den Verkäufen an Black Friday verschiedene gemeinnützige und wohltätige Organisationen.

Everlane GIF

2020 hat Everlane sich mit Feeding America zusammengetan. Am Black Friday verdoppelte das Unternehmen jede Spende an Feeding America um 10 Dollar, bis zu 50.000 Dollar. Im Anschluss wurden für jede Bestellung 10 Mahlzeiten (Geldwert von 1 $) an Feeding America gespendet. Everlane garantierte mindestens eine Million Mahlzeiten (Gegenwert von 100.000 $), mit dem Ziel, zwei Millionen Mahlzeiten (Gegenwert von 200.000 $) durch die Black Friday Verkäufe bereitzustellen.

Everlane GIF
Everlane GIF

2. Pflanze einen Baum für jeden Kauf

Green is the new black! Getreu diesem Motto nutzen immer mehr Unternehmen den Black Friday, um etwas Gutes für die Umwelt zu tun: Wie zum Beispiel einen zu Baum pflanzen. Bäume sind gut für die Umwelt, da sie CO2 binden und Sauerstoff produzieren. Gleichzeitig verbessern sie die Eigenschaften des Bodens, z.B. durch das Speichern von Wasser und auch für die biologische Artenvielfalt sind sie als Lebensraum von Tieren, Insekten und Pflanzen wichtig.

Die Aktion zum Bäume pflanzen kann als Tag an Black Friday oder sogar eine ganze Woche während der Black Week als grüne Alternative zur klassischen Rabattschlacht durchgeführt werden. Pro verkauftem Produkt oder pro Bestellung kann dann ein Baum gepflanzt werden. Möglich ist das u.a. mit der Organisation Plant-for-the-Planet.

Beispiele: 

  • NIKIN: Das Label aus der Schweiz stellt faire, nachhaltige Kleidung her und pflanzt bereits seit seiner Gründung 2016 einen Baum pro verkauftem Produkt. An Black Friday pflanzt NIKIN dann sogar zwei und verdoppelt die positive Auswirkung auf die Umwelt.
  • Littlelunch: Dem Unternehmen für Bio-Suppen liegt Nachhaltigkeit auch außerhalb von Black Friday am Herzen. Gemeinsam mit Plant-for-the-Planet wurde an Black bzw. Green Friday pro Bestellung deshalb ein Baum in Campeche (Mexiko) gepflanzt. So möchte Littlelunch einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der weltweiten CO2-Bilanz leisten.
  • Recolution: Auch die Fair Fashion Brand hat letztes Jahr versucht, die Aufmerksamkeit auf nachhaltigen Konsum zu lenken statt auf den kollektiven Shopping-Wahnsinn hinzuweisen. Ebenfalls mit Plant-for-the-Planet wurde eine “Green Week” initiiert und mit dem Code “Tree” ein Baum für jedes gekaufte Produkt gepflanzt.
Gentianes GIF

3. Opt Out(side)

Eine besonders inspirierende Kampagne hat sich die amerikanische Einzelhandel- und Bekleidungsfirma für Outdooraktivitäten Recreational Equipment, Inc. (REI) einfallen lassen. Seit 2015 hat REI am Black Friday alle Filialen geschlossen um eine Zeichen gegen den übermäßigen Konsum zu setzen – und gönnt allen Mitarbeiter:innen einen freien Tag. Kund:innen und Mitarbeiter:innen werden motiviert, den Tag draußen an der frischen Luft zu verbringen. Denn laut REI ist “die Natur der Ort, an dem wir Luft schnappen, Ruhe finden und uns wieder als Menschen fühlen. Und das ist heute wichtiger denn je.” 

Die Kampagne ging unter dem Hashtag #optoutside viral. Dadurch hat REI eine außerordentliche Markenbekanntheit erreicht und es ist der Marke gelungen, eine ganze Bewegung aufzubauen, der sich weitere Firmen, Partner:innen und Konsument:innen angeschlossen haben.

REI GIF

Es geht auch ganz konsequent: Um sich vom Black Friday Shopping-Wahn zu distanzieren und auf die Missstände durch Überkonsum aufmerksam zu machen, können Stores und Webshops komplett geschlossen werden für 24 Stunden – ohne zusätzlich eine weitere Aktion durchzuführen. So hat es u.a. das gemeinnützige Hamburger Label Bridge&Tunnel 2019 gemacht. 

Auch das kleine walisische Jeansunternehmen Hiut Denim startete eine Kampagne mit dem Titel „Buy less. Buy better.” und schloss seine Website für die Dauer des Black Fridays. 

Ebenso handhabte es der Schweizer Taschenhersteller Freitag und schaltete unter dem Motto “100% Off” seinen Webshop am Black Friday ab. Stattdessen wurden Besucher:innen auf die Tauschbörse S.W.A.P. verwiesen.

 

Freitag S.W.A.P

 

Wichtig bei diesem Vorgehen: Stoße deine Kund:innen nicht ahnungslos vor den Kopf, sondern kommuniziere die geplante Shop-Schließung und was die Gründe dafür sind vorab unbedingt via Newsletter, Social Media und Co.

4. Buy nothing, repair something

Ein weiterer alternativer Ansatz ist eine Aktion zum Reparieren von Produkten, anstatt Neues zu kaufen.

Von Spendenaktionen bis zum kompletten Shutdown des Shops (in 2018) – das Modelabel RÆBURN, welches auf innovatives und verantwortungsvolles Design setzt, hat eine lange Tradition, den Black Friday zu boykottieren. 2019 hat sich das Unternehmen dann etwas Besonderes einfallen lassen: Alle Filialen bleiben geschlossen, aber dafür können Besucher:innen unter dem Motto “Buy nothing, repair something” Kleidungsstücke aller Marken ins Studio bringen, um sie zu reparieren oder zu ändern. Professionelle Näher:innen stehen kostenlos zur Seite und helfen, sodass den alten Kleidungsstücke ein neues Leben gegeben wird. Definitiv eine tolle Aktion, die Besucher:innen und Kund:innen positiv in Erinnerung bleibt. 

Eine ähnliche Aktion hat auch die australische Bekleidungsmarke Citizen Wolf gestartet und die Aktion “Black Fridye” ins Leben gerufen. Statt Rabatte zu geben können Interessierte alte Kleidung jeglicher Marken einschicken und Citizen Wolf färbt diese neu ein, sodass sie länger getragen werden können, anstatt neue Produkte zu kaufen. Auf der eigenen Website “Black Fridye” wird das Projekt umfassend erklärt und smart für die Lead Generierung genutzt. Heads up für so eine tolle Black Friday Alternative!

 

Black Fridye

5. Slow discount

Einer der wesentlichen Kritikpunkte an Black Friday ist die Förderung von übermäßigem Konsum. Die zeitliche Begrenzung der Rabatte löst Hektik aus, in der Menschen dazu angeregt werden, möglichst viel zu kaufen. Oft auch Dinge, die gar nicht benötigt werden.

In der Modebranche ist das Konzept “Slow Fashion” schon länger ein Ansatz, um dem aktuell vorherrschende Modell der “Fast Fashion” entgegen zu wirken. Das Hautpflegeunternehmen Deciem hat sich diese Konzept die letzten 2 Jahre rund um Black Friday zunutze gemacht. Zu dem Unternehmen gehören Brands wie NIOD, Hylamide, The Chemistry Brand, HIF (Hair is Fabric) und auch The Ordinary – die wahrscheinlich bekannteste Marke. Am Black Friday sind alle Geschäfte sowie die Website geschlossen; dafür gibt es den ganzen November 23% Rabatt auf das gesamte Sortiment. Die Idee dahinter ist, dass Konsument:innen Zeit haben, um überlegte Entscheidungen zu treffen. Das Unternehmen selbst sagt in einem Statement, es fühle sich nicht mehr wohl dabei, an einem einzigen Tag, der so stark auf den Hyperkonsum ausgerichtet ist, mitzumachen. 

Im letzten Jahr lief die Black Friday Kampagne unter dem Namen “KNOWvember”. Zusätzlich zu den 23 % Rabatt gab Deciem verschiedenen Educational Content heraus, da das Unternehmen findet, dass Hautpflegeprodukte basierend auf Wissen getroffen werden sollten und nicht als Impulskauf. Zudem soll Konsument:innen Informationen an die Hand gegeben werden, um bessere Kaufentscheidungen zu treffen und weniger zu konsumieren.

 

Deciem Black Friday Shop slowly

6. Buy back

Eine weitere, nachhaltigere Möglichkeit an Black Friday: gebrauchte Produkte zurückzukaufen. So hat es zum Beispiel IKEA letztes Jahr zum allerersten Mal in seiner Geschichte im Rahmen der #BuyBackFriday-Kampagne gemacht. In 27 Ländern hatten Kund:innen die Möglichkeit, ihre nicht mehr benötigten Möbelstücke zurück zu verkaufen. Im Gegenzug gab es einen IKEA-Gutschein, mit dem er oder sie sich etwas Neues aussuchen kann, was gerade benötigt wird. Die alten Möbel wiederum sollten ein neues Zuhause finden und denjenigen zugute kommen, die von der Corona-Pandemie besonders getroffen wurden.

 

Ikea Buy Back Aktion

 

Allerdings ist bei solchen Aktionen Vorsicht angesagt. Ist das Unternehmen nicht gerade für seinen nachhaltigen Kurs bekannt, entsteht schnell der Eindruck von Greenwashing.

Be unique

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt was alternative Aktionen zu Black Friday angeht. Du weißt am besten, was zu deinen Unternehmenswerten und deiner Zielgruppe passt. Ob du deinen eigenen Tag ausrufst, eine Spendenaktion unterstützt oder deinen Shop an Black Friday schließt: Gegen den Strom zu schwimmen und ein Zeichen gegen Überkonsum zu setzen erscheint aktuell wichtiger denn je. Du solltest dir deshalb keine Sorgen machen, wenn du nicht auf den Black Friday Zug aufspringen möchtest. Es gibt genügend Möglichkeiten, um das Shopping-Event sinnvoll zu nutzen. Und noch ist genügend Zeit für die Planung, um das Beste auf dieser Saison zu machen. Kreative Ideen gibt es auf jeden Fall genug! Informiere deine Zielgruppe am besten vorab über die verschiedenen Kanäle über deine Aktion und lege die Gründe offen, warum es z.B. keinen Rabatt gibt.